Versorgerindustrie

Referenz-Architekturen und flexible Geschäftsprozesse für die Marktkommunikation

 

Die Energiewirtschaft hat durch die Liberalisierung des Energiemarktes und durch die in Deutschland eingeleitete Energiewende eine Vielzahl von Veränderungen erfahren, die nicht nur die Energieproduktion, das Verteilnetz und die Energiedistribution betreffen, sondern auch das Marktdesign und die betrieblichen Prozesse der Energieversorger. Die betriebliche Perspektive der Energiewende ist dabei im Vergleich zu „Smart Grid“ Forschung nur von wenigen Universitäten betrachtet worden. Der Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik hat in diesem Bereich eine Reihe von Forschungsprojekten durchgeführt, die zum einen die Entwicklung einer Referenz-Architektur für kleine und mittelgroße Stadtwerke und Regionalversorger zum Ziel hatten. Zum anderen war das Outsourcing der Geschäftsprozesse an externe Dienstleister ein Thema mit Schwerpunkt auf deren Flexibilisierung und Anpassbarkeit auf den jeweiligen Einsatzkontext.

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2009 mit der Richtlinie 2009/72/EG die Liberalisierung des Energiemarktes für den europäischen Binnenmarkt beschlossen. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur (BNetzA) für die Umsetzung der EU Richtlinie in nationale Praxis zuständig. Sie hat zu diesem Zweck das deutsche Marktrollenmodell in Kraft gesetzt, das die Verteilnetzbetreiber streng von den Lieferanten trennt, sowohl kaufmännisch als auch firmenrechtlich. Zwischen diesen Marktrollen bestehen enge Geschäftsbeziehungen, die ebenfalls der Regulierung durch die BNetzA unterworfen sind. So muss der Datenaustausch zwischen Geschäftspartnern, die so genannte Marktkommunikation (MaKo), grundsätzlich elektronisch erfolgen, ein genau definiertes Format verwenden und zudem zahlreichen Business Rules folgen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regulierung nicht statisch, sondern turnusartig Änderungen ausgesetzt ist. Diese Geschäftsprozesse haben in der Regel ein hohes Datenvolumen zur Folge, was wiederum zu häufigen Datenverarbeitungsfehlern führt.

Diese Umstände sind für Energieversorgungsunternehmen (EVU) die Haupttreiber, ihre Geschäftsprozesse an externe Dienstleister auszulagern, entweder in Teilen oder aber als Ganzes. Das Projekt „Capabilities-as-a-Service (CaaS)“ hatte die Flexibilisierung von ausgelagerten Geschäftsprozessen und deren Anpassung auf neue Regulation zum Inhalt. Weiterhin sind nicht nur die Geschäftsprozesse sondern auch die Beziehungen zu anderen Marktteilnehmern, die erforderlichen Daten und die benötigten Anwendungen voneinander abhängig und sorgfältig zu planen. Referenzmodelle dienen in diesem Zusammenhang dazu, bewährte Lösungen einer Branche zu dokumentieren, damit sie nicht von jedem Unternehmen selbst entwickelt sondern nachgenutzt werden können. Einen solche Referenz für mittelgroße Stadtwerke ist in dem Projekt „Entwicklung einer Cloud Referenzarchitektur (ECLORA) entstanden.

 

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