Am 27. April um 9:30 Uhr wird die Verteidigung der Dissertation von Mark-Oliver Würtz zum Thema „Integration von bedarfsorientiertem Verkehr – insbesondere NMS – in klassische ÖPNV-Unternehmen: eine Referenz-Enterprise-Architecture Empfehlung“ im Konrad-Zuse-Haus (Raum 001) stattfinden.
Kurzfassung
Neue Mobilitätsdienste (New Mobility Services, NMS) wie Carsharing, Fahrrad- sowie E-Scooter-Verleihsysteme und On-Demand-Fahrdienste haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Sie verändern bereits jetzt, wie Menschen sich in Städten fort-bewegen und werden in absehbarer Zeit auch den ÖPNV ländlicher Räume stärken. Diese bedarfsorientierten Verkehrsangebote beeinflussen zunehmend die Aufgaben, Rollen und IT-Landschaften klassischer ÖPNV-Unternehmen. In ihrer gegenwärtigen Form sind die meisten dieser Unternehmen auf einen angebotsorientierten Linienverkehr ausgelegt, was eine strukturelle wie technische Kluft zwischen traditionellen und neuen Mobilitätslogiken schafft.
Vor diesem Hintergrund untersucht diese Dissertation, wie sich NMS systematisch und nachhaltig in klassisch angebotsorientierte deutsche ÖPNV-Unternehmen integrieren lassen. Der Forschungsbeitrag liegt in der Entwicklung eines domänenspezifischen Enterprise-Architekturmodells, das als Referenzlösung für Verkehrsunternehmen dienen kann. Es baut auf bestehende Branchenstandards wie dem ITVU-Modell und VDV-Architekturelemente auf und ergänzt diese um neue Komponenten für Plattformintegra-tion, Prozesskopplung, Tarifmanagement und digitale Dienste.
Das Forschungsvorhaben folgt dem Ansatz der Design Science Research (DSR). Das Architekturmodell wurde iterativ entwickelt und in einer Evaluation mit neun Episoden mit Experten aus Verkehrsunternehmen, Branchenverbänden und Technologieanbie-tern validiert. Das Ergebnis ist ein strategisch und technisch integriertes Modell, das klassische und bedarfsorientierte Mobilitätsformen, insbesondere NMS, verbindet.
Das Architekturmodell ist sowohl theoretisch als auch praktisch ein Beitrag zur Weiter-entwicklung domänenspezifischer Enterprise-Architekturen (EA) im Mobilitätssektor. Es schafft eine konzeptionelle und methodische Grundlage für die digitale Transformation von Verkehrsunternehmen und zeigt konkrete Wege auf, wie sich NMS in bestehende IT-, Prozess- und Governance-Strukturen integrieren lassen.

